Eine einfache Anleitung zu optimaler Gesundheit und Fitness

13. April 2010

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Der folgende Artikel ist meine Übersetzung eines Beitrages von Mark Sisson, dem Autor von Mark’s Daily Apple und The Primal Blueprint. Ich folge diesem Programm seit dem 23. Januar dieses Jahres einigermaßen entspannt und habe dadurch 8 Kilo Körperfett abgebaut. – Anm. d. Red.

Nichts in der Biologie macht Sinn, außer im Lichte der Evolution – Theodosius Dobzhansky

Als wilde Tiere mit einer beeindruckenden Hirnmasse haben wir uns die Fähigkeit erworben, auf äußere Stimuli, mit mehr als Instinkt geleitenden Verhaltensweisen zu reagieren. Der Nachteil: Wir tendieren dazu, praktisch alles zu “überdenken” und  zu überinterpretieren.

Kein Grund sich selbst runter zu machen. So sind wir halt. Wir können ja unserem Kopf nicht entkommen.

Alles was wir wahrnehmen oder erwägen wird durch ein dichtes Netz permanent feuernder Synapsen gefiltert. Und ob sie nun ein strikter Materialist sind und das, was da abläuft, für schlichte Biochemie halten oder ob sie der Meinung sind, dass unser Bewusstsein außerhalb dieser “grauen Masse” existiert – wir sind nun mal untrennbar mit diesem Wahrnehmungsfilter, dieser Interpretationsmaschine verwachsen. Einerseits ist das ein Segen und andererseits leider auch ein Fluch. Wissenschaft und Forschung haben ja auch einerseits das Internet erfunden und andererseits die Atombombe. Oder besser noch YouTube, aber auch die YouTube Kommentarsektion. ☺

Unsere Tendenz zu “Überrationalisieren”, zu interpretieren, zu beurteilen, bewerten und zu kategorisieren schneidet uns oft ab von dem, was uns umgibt. Wir errichten damit eine Barriere, die die Freude und das unmittelbare reine Er-leben beeinträchtigt.

Versetzen sie sich in den Vogelbeobachter, der gerade eine seltene Spezies entdeckt hat und sofort seine Nase in sein Handbuch steckt um seine Entdeckung zu verifizieren. Der Vogel fliegt davon. Er hat die Spezies nun in seine Kladde stehen, hat dabei aber verpasst, wie der Vogel nach Insekten stocherte und seine Flügel ausbreitete, um sich hinauf in den nächsten Baum zu schwingen. Wägt der Haken hinter einer Vogelart, das direkte unmittelbare Erleben dieses Naturereignisses auf? Oder haben sie schon mal in einem Literaturkurs gesessen, der so voll gestopft war mit der Analyse von Essays, dass die Freude am Lesen dieser wundervollen Bücher völlig auf der Strecke blieb? Oder der Typ mit dem sie kürzlich im Kino waren und der nicht in der Lage war auch nur einen Moment seinen inneren Kritiker abzustellen und während der ganzen Fahrt nach Hause über diesen zugegeben offenbaren Fehler im Drehbuch fabulierte? Ein tieferes Verständnis einer faszinierenden, wichtigen Sache anzustreben ist das eine; die Dinge ständig zu “überanalysieren”,  etwas völlig anderes und kann das genussvolle Erleben eines vergnüglichen Zeitvertreibs verhindern.

Unsere Gesundheit und physische Fitness sind etwas sehr Wichtiges und für Millionen von Menschen sind sie ein faszinierendes Thema, das immer wieder neu diskutiert, analysiert und optimiert wird. Aber auch hier schlägt dieses oben beschriebene Phänomen zu und zahllose Menschen neigen auch hier dazu das Thema zu überanalysieren. Sie machen es dadurch komplizierter und schwerer als es sein müsste und erreichen eben aus diesem Grund vergleichsweise dürftige Resultate. Oder sie erreichen objektiv betrachtet gute Resultate, verbringen aber einen Großteil ihres Lebens mit dem Zählen von Kalorien, Kilometern, Wiederholungen und detaillierten Nährstoffanalysen und Diäten.

Also, ich würde sagen, es muss da doch eine Möglichkeit geben, das etwas einfacher zu gestalten. Einen Weg unsere großen Gehirne zu nutzen, ohne dass sie uns im Weg stehen. Es muss doch eine ausgewogene, rationale Methode geben, optimale Gesundheit und Fitness zu erreichen, die sich erfolgreich mit unserer Tendenz unseren tierischen Instinkten zu folgen, verbinden lässt. Fit und gesund zu sein sollte einfach und intuitiv zu erreichen sein und vor allen Dingen, sollte es Spaß machen.

Sind wilde Tiere etwa ständig damit beschäftigt Kalorien zu zählen oder über ihrem Trainingsplan zu brüten? Wie schaffen es zum Beispiel Rehe so rank und schlank und doch athletisch zu sein, ohne eine Ernährungsberater und wöchentliche Sessions mit dem Personal Trainer? Oder, warum werden Hauskatzen oft mit der Zeit fett und lethargisch, während ein Luchs mit nahezu identischen Genen fit bleibt? Es ist nicht nur dieses simplistische Kalorien rein, Kalorien raus Prinzip. Tiere zählen keine Kalorien. Sie machen sich keine Gedanken darüber vor dem Schlafengehen zu essen oder noch mal um den Block zu laufen um das Eichhörnchen zu verbrennen, das sie zum Frühstück hatten. Sie sind einfach nur. Sie existieren in einem Ökosystem, das sich über mehrere Millionen Jahre entwickelt hat. Die Evolution hat dabei dafür gesorgt, dass Flora und Fauna  in einer Art Harmony mit einander interagieren. Der Luchs gedeiht durch den Verzehr von Nagern und kleinen Vögeln. Sein Verdauungsapparat und sein Stoffwechsel sind auf diese Kost zugeschnitten und die Hauskatze wird fett, weil ihr System nicht für auf Getreide basierendem Trockenfutter ausgelegt ist. Wenn das Gleichgewicht eines Ökosystems nachhaltig gestört ist, sterben bestimmte Arten aus oder sie wandern weiter, bis sich eben eine neues Gleichgewicht etabliert hat. So funktioniert Natur. Wenn wir uns also den Kopf darüber zerbrechen, wie wir unsere Gesundheit und Fitness optimieren können, ist es vielleicht nicht ganz abwegig sich anzuschauen, wie wilde Tiere das tun und wie unsere Vorfahren das taten.

Genau genommen sind wir immer noch Tiere – niemand stellt das ernsthaft in Frage. Wir unterliegen ebenso der Evolution, wie auch der natürlichen Auslese – das ist schon etwas kontroverser. Aber nichts desto trotz ebenso wahr. Wenn sie nun diese beiden Fakten im Hinterkopf behalten und sich gleichzeitig noch mal das Beispiel mit dem schlanken, fitten Luchs vor Augen führen, können sie ein Muster erkennen. Sollte etwa das gleiche Konzept auch auf uns zutreffen? Gibt es etwa auch für uns Menschen einen evolutionär angepassten, vergleichsweise mühelosen Lebensstil?

Nun, es gibt ihn – ich nenne ihn  “Primal Blueprint” (etwa das “Urmodell”, der “ursprüngliche Entwurf”, Anm. d. Red.). Es vermeidet komplizierte Trainingspläne und mühsames Kalorien zählen und den ganzen Abnehmschnickschnack. Diese ursprünglichen Regeln haben eine solide Grundlage: Evolutionsbiologie und Anthropologie in Verbindung mit modernem menschlichen Einfallsreichtum. Ich nehme einfach was während zehntausenden von Jahren, über die gesamte prähistorische Geschichte des Menschen funktioniert hat und füge aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse hinzu, um dessen Richtigkeit zu untermauern. Wenn wir einen Blick zurück werfen auf fossile Zeugnisse unserer Jäger und Sammler Vorfahren aus präagrikultureller Zeit, finden wir, dass sie (bei einem ausreichenden Nahrungsangebot – Anm. d. Red.) gesund und stark und frei von degenerativen Erkrankungen waren, besonders im Vergleich zur Gesundheit von Ackerbauern und sogar modernen Menschen. – (Der Mensch betreibt Ackerbau erst seit etwas mehr 16000 Jahren (Mesopotamien), auf der britischen Insel erst seit ca. 4000 Jahren – Anm. d. Red. ).

Das Resultat ist ein unglaublich einfacher, unglaublich effektiver Weg zu leben, sich zu bewegen und sich zu ernähren:

  • esse die Dinge, die deine Vorfahren aßen,
  • nehme dir den Schlaf, den deine Vorfahren hatten, und
  • bewege dich so, wie deine Vorfahren das taten, bevor sie Ackerbauern wurden.

Handele jetzt

Wenn du auch nur etwas aus diesem Artikel mitnehmen willst, dann merke dir diese beiden Grundregeln:

  1. die ideale menschliche Nahrung besteht ausschließlich aus vollwertigen, unververarbeiteten Nahrungsmitteln – Fleisch, Fisch, Geflügel, Pflanzen, Früchte und Nüsse. Was immer du erlegen, pflücken, ausgraben und auf der Stelle verzehren kannst. Das ist das, was deine Vorfahren aßen und für dessen Konsum  dein Körper entworfen wurde.
  2. der gleichen Philosophie folgend, besteht die ideale körperliche Betätigung aus natürlichen, ganzkörperlichen Bewegungen – schwere Sachen heben, sprinten, laufen, gehen, kriechen, schwimmen, wandern und klettern. So haben sich deine Vorfahren bewegt und das ist die Art von Bewegungen, für die dein Körper entworfen wurde.

Erstaunliche Resultate

Die Resultate dieser einfachen Regeln sind zahllos und unmittelbar:

  • Das Gewicht schmilzt dahin, wenn sie welches zu verlieren haben oder ihre Muskulatur legt zu, wenn sie noch etwas davon vertragen können.
  • Ihre Geschmacksknospen werden resetted. Reiner Zucker schmeckt unangenehm; verarbeitetes, industrielles Öl schmeckt künstlich
  • Sie merken, dass sie kein Getreide, Bohnen oder Kartoffeln brauchen, um sich satt zu fühlen.
  • Sie lechzen nach richtiger Nahrung und stellen fest, dass diese Nahrung gut schmeckt, besser als alles, was man sonst an Fertignahrung kaufen kann oder im Fast-Food-Restaurant findet. Hunger diktiert ihnen nicht mehr alle paar Stunden zu essen.
  • Sie gewinnen an Kraft und Schnellkraft, sicher, aber sie lernen auch wieder sich zu bewegen. Sie gewinnen verlorene Beweglichkeit zurück.
  • Sie werde seltener krank, da ihr Immunsystem nun effektiver funktioniert.
  • Sie haben Spaß an natürlicher Bewegung und fühlen sich wohler in ihrer Haut.
  • Essen und sich bewegen gewinnt eine intuitive Qualität, fällt leicht und macht Freude.
  • Die Welt wird ihr Fitnesscenter. Sie schaffen es nicht zum Studio? Schnappen sie sich einen Steinbrocken und stoßen sie den ein paar Mal, machen sie Klimmzüge und gehen sie dann zum Laufen in den Park. Solange sie eigenes Körpergewicht handhaben können, sind sie stark genug.

Menschen sind von Natur aus Opportunisten. Wir machen es uns eigentlich gerne leicht. Aber ausgerechnet wenn es um Ernährung und Fitness geht, machen wir daraus eine Wissenschaft. Verzichten sie einfach auf die Nahrungsmittel, die wir erst seit ein paar hundert Generationen essen und essen sie stattdessen die Nahrungsmittel, die wir seit schon seit einigen tausend Generationen essen, essen sie möglichst vollwertig. Lassen sie diese neumodischen Fitness-Apparaturen sein und konzentrieren sie sich stattdessen auf natürliche Bewegungen und rationalisieren sie so ihre Fitness. – Und – haben sie auch keine Angst davor, ab und zu mal, diesen großen Analysator da oben abzuschalten.

Lesen Sie mehr von Mark Sisson in seinem populären Blog Mark’s Daily Apple, oder werfen sie mal einen Blick auf sein Buch The Primal Blueprint (gibt’s leider nur in Englisch).

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