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Führen heißt … die Akzeptanz-Falle vermeiden.

14. Dezember 2015

Akzeptanz – eines der wichtigsten Leadership-Prinzipien überhaupt!

Sagt ihnen nix? – Nun, bevor Sie in der Lage sind, auf ein wie immer geartetes äußeres Ereignis sinnvoll zu reagieren, müssen sie zunächst die damit verbundenen Fakten akzeptiert haben.

Der Satz von C. G. Jung

Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir es zunächst angenommen haben.

beschreibt den gleichen Sachverhalt.

Aber vielleicht zunächst mal eine Begriffsklärung … Akzeptanz meint nicht, die Dinge hinzunehmen und in Untätigkeit zu verharren. Sondern es meint die Fakten, so unangenehm sie auch sein mögen, anzunehmen und bei unserer Entscheidungsfindung zu berücksichtigen.

Solange wir uns die Fakten und die damit verbundenen Konsequenzen nicht bewusst machen und diese akzeptieren – wohlgemerkt, das ist ein zusätzlicher Schritt – agieren wir nicht adäquat, handeln wir möglicherweise sogar unverantwortlich und machen uns dadurch zum Opfer der Umstände. Wir sind dann genau genommen passiv, obwohl wir uns häufig dabei den Anschein geben aktiv zu sein. – Häufig sogar aktiv mit Vollgas!

Apropos Vollgas. – Es ist Herbst. Es wird nicht mehr lange dauern und wir werden morgens, während des Frühstücks, wieder im Radio vor schlechter Sicht und glatten Straßen gewarnt. Und es wird auch nicht mehr sehr lange dauern, bis wir in diesem Zusammenhang wieder von Massenkarambolagen hören. – Wie kann das sein? – Wenn man schon nicht antizipiert, dass die Straßen möglicherweise glatt sein könnten, gibt es denn etwas Sichtbareres als schlechte Sicht? – Also, wieso geben wir weiter Gas?

Oh ja, es war das Blitzeis … oder eine plötzlich auftretende Nebelbank …

Für mich sind das alles Ausreden! – Weil irgendwie will man sich dieses katastrophale Versagen ja erklären. Weil, wenn es nicht das Eis und der Nebel waren, wird es völlig unerklärlich. Das Problem ist, dass man mit solchen Ausreden einen völlig falschen kausalen Zusammenhang herstellt.

In Wirklichkeit liegt es nämlich daran, das Sie abgelenkt, dass Sie unbewusst waren, unbewusst falsche Prioritäten gesetzt haben. Ihr Kopf war möglicherweise damit beschäftig, dass Sie zu spät zu einem wichtigen Meeting sein werden. Also haben Sie noch ein bisschen mehr Gas geben – ohne sich die möglichen Konsequenzen klar zu machen. Möglicherweise ist ja nichts passiert, Sie haben es geschafft, waren sogar nur unwesentlich zu spät. – In den Abendnachrichten hören Sie dann von denen, die es nicht geschafft haben.

Ein besonders krasses Beispiel zu den Folgen der Nicht-Akzeptanz aus der jüngeren Historie – Malaysia Airlines Flug MH 17.

In der öffentlichen Diskussion, steht meist im Fokus, wer es denn nun war, der „auf den Knopf gedrückt“ hat. Wer ist schuld? Letztendlich ist wer die Rakete abgefeuert hat für die Opfer eigentlich eher nebensächlich. Viel skandalöser ist meines Erachtens, dass dieses Flugzeug zu dieser Zeit an diesem Ort war!!! -Denn, wenn es um Flugsicherheit geht, gibt es eine ganz Kette von Menschen und Institutionen, die zuvor versagt haben müssen.

Als da sind: Die Luftraumüberwachung der Ukraine, Eurocontrol (Europäische Luftraumüberwachung), die Malaysischen Flugsicherheitsbehörden, die Airline und last but not least, der Captain dieses Fluges.

Natürlich würde jeder der genannten, gute Gründe dafür anführen, warum er ja eigentlich gar nicht verantwortlich war… Wenn Sie Lust haben, können Sie sich die Arie ja im Netz mal anschauen.

In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass Fakten nicht akzeptiert, einfach ignoriert wurden (und Handlungsspielräume nicht wirklich ausgeschöpft wurden). Da flog ein ziviler Jet mit 298 Menschen an Bord, über eine Kriegsgebiet, über dem in den Wochen zuvor, zahlreiche Flugzeuge abgeschossen worden waren !!!! Wenn ich richtig informiert bin, waren es immerhin 20. Militärische zwar, jedoch wurden diese mit der Hilfe von Raketen vom Himmel geholt. Praktisch jeden zweiten Tag hörte man davon in den Nachrichten. Wie viel Phantasie gehört denn wohl dazu, sich vorzustellen, dass das Gleiche auch einem zivilen Flugzeug passieren kann. Und wenn dann schlussendlich der Letzte in der Kette, der Flugkapitän, beim Briefing vor dem Flug einen Flugplan akzeptiert, der ihn über ein solches Gebiet führt dann kann es dafür nur folgende Gründe geben:

  • Er war schlicht nicht darüber informiert, was in diesem Teil der Welt gerade vor sich geht.
  • Nicht darüber informiert, dass sich die Rahmenbedingungen gegenüber seinem letzten Flug auf dieser Strecke geändert hatten.
  • Er hat andere Dinge priorisiert – wie Flugzeit und Flugkosten – Umwege kosten Geld.
  • Oder er hat sich dem Diktat der Airline unterworfen, was den Flugweg betrifft, aus Bequemlichkeit, oder um Ärger zu vermeiden.
  • Vielleicht hat er aber auch einfach nicht lange genug inne gehalten, um seine Entscheidung angesichts der möglichen Konsequenzen noch mal zu überdenken.

Die katastrophalen Folgen sind uns bekannt.

Deshalb immer wieder: Innehalten – bewusst machen – akzeptieren (die Fakten annehmen) und dann danach handeln.

„Was ist, ist. – Was nicht ist, ist nicht!“

Erst nach diesem gedanklichen Dreischritt, sind wir in der Lage adäquat, d.h. angemessen zu reagieren. Erst dann treten wir in Kontakt mit der Realität.

Nicht immer hat ein Versagen in diesem Zusammenhang katastrophale Folgen. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass viele eskalierende Konflikte in Businesssituationen, kleine wie große, vermieden würden (falls sie nicht mutwillig herbeigeführt wurden), wenn sich Verantwortliche konsequent an diese drei Schritte halten würden. Besonders bei Großprojekten, bei denen sich im Laufe der Zeit die Rahmenbedingungen (Fakten) immer wieder ändern, werden die Folgen von Ignoranz und mangelnder Akzeptanz für alle sichtbar. Denken Sie nur an BER, Elb-Philharmonie und Stuttgart 21 …

Übrigens …

… es kommt manchmal auch vor, dass uns der Blick verstellt ist. Dass wir einige Fakten einfach nicht wahrhaben wollen, obwohl sie uns direkt ins Gesicht starren. – Besonders dann, wenn Emotionen im Spiel sind. – Das ist dann genau der Fall, in dem ein guter Coach wirklich unschätzbare Dienste leistet. – Weil er Sie dazu bewegen wird, auch in die Ecken zu schauen, in die Sie partout nicht schauen wollen.

Denken Sie einfach mal daran, bevor Sie die nächste lebensverändernde Entscheidung treffen 😉

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{ 1 Kommentar… lese ihn unten oderschreibe selbst einen }

Norbert Kurzka Dezember 16, 2015 um 07:48

Mir fällt dazu ein Zitat von Byron Katie ein:
„Wenn Sie der Realität widersprechen verlieren Sie – aber nur jedes Mal.“

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