Führen heißt… Kommunikation als Dialog begreifen!

25. März 2010

So schön kann Dialog sein

Von Karl Japsers stammt eine treffende, wenn auch vielleicht etwas schwer verdauliche, Definition echter Kommunikation:

„Existenzielle Kommunikation ist nicht vorzumachen und nicht nachzumachen, sondern schlechthin in ihrer jeweiligen Einmaligkeit. Sie ist zwischen zwei Selbst, die nur diese und nicht Repräsentanten und darum nicht vertretbar sind.“

Martin Buber, der Philosoph des Dialogs unterscheidet 3 unterschiedliche Arten der Kommunikation:

  1. Den Monolog, der praktisch eine „Einbahnstraßen-Kommunikation“ darstellt, jedoch oft vorgibt eine 2-Wege-Kommunikation zu sein;
  2. Die Technische Kommunikation, welche eine 2-Wege-Kommunikation ist, jedoch lediglich dem Austausch von Information dient; und
  3. Der Dialog, der im Idealfall eine ehrliche 2-Wege-Kommunikation, zwischen zwei authentisch agierenden Personen darstellt.

Um die Bedeutung von Dialog zu verstehen, hilft es vielleicht die Wurzeln des Wortes Kommunikation näher zu betrachten – communis, lateinisch für gemeinsam, aber auch leutselig, allerseits und communicare für gemeinsam machen, sich besprechen aber auch teilen und mitteilen. Mitteilen, „teilen mit“, heißt etwas preiszugeben, etwas von sich selbst, von seinem Selbst zu offenbaren.

Jetzt schauen sie sich mal um. Wie viel authentischer Dialog findet in ihrer Umgebung, in ihrem täglichen Leben tatsächlich statt? Ich behaupte mal, dass der größte Teil unserer „Kommunikation“ (außerhalb der Familie) nicht viel mit Dialog zu tun hat. Menschen verwechseln offenbar sehr oft Monolog mit Dialog. Und während sie vorgeben zuzuhören, überlegen sie schon, wie sie ihren eigenen Meinungen und Interessen eine bessere Plattform verschaffen können. Buber meinte schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, dass der Mangel an echtem Dialog eines der Hauptprobleme des modernen Zeitalters sei. Daran hat sich offenbar wenig geändert. Und das ist auch nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Plato schon vor mehr als 2000 Jahren 3 Gründe nannte, warum Menschen einander nicht verstehen

  • sie weigern sich beim Thema zu bleiben
  • sie können nicht zuhören
  • sie wollen unbedingt recht haben.

Falls sie nun den Mut haben trotzdem danach zu trachten die eigene Kommunikation zu verbessern, können sie zunächst einmal einen Blick darauf werfen, wo sie sich mit ihren kommunikativen Anstrengungen in einem Monolog-Dialog-Kontinuum befinden. – Na, noch förderwürdige Verbesserungsspielräume? Nun – kein Wunder!

In der heutigen Welt sind wir einer ständig anwachsenden Flut von Informationen ausgesetzt und die Wenigsten von uns haben angemessene Strategien entwickelt diese Flut zu filtern oder einzudämmen. Durch immer „intelligentere“ Techniken wird das von unserer schnelllebigen Wirtschaftswelt geforderte „immer auf dem neuesten Stand sein“ zunehmend pervertiert. Junge Führungskräfte, wie ich sie in meinen Seminaren kennenlerne, sind nicht selten sowohl mit einem Blackberry als auch mit einem Handy ausgestattet, vom Laptop oder Netbook ganz zu schweigen. Die Aufforderung diese Geräte jetzt einmal abzuschalten erzeugt oft Reaktionen, als hätte man gefordert den Herzschrittmacher auszuschalten. Ganz Verwegene werfen dann noch gerne Sprüche ein wie „in meinem Job ist Kommunikation das A und O“. Die Mehrheit der Nutzer ist sich gar nicht mehr bewusst, wie sehr sie bereits „am Tropf hängt“ und diesen diversen „devices“, Kontrolle über das eigene Leben übereignet, – bis in die intmsten Bereiche Ihres „Privatlebens“. Fehlt nur noch, dass sich durch ausreichenden Druck auf die Klobrille auch an diesem Ort ein Radio, TV oder Computer einschaltet, damit man auch da ja nichts verpasst.

Die wenigsten sind sich klar darüber, inwieweit die omnipräsente Beschallung durch die Medien, die ständige Erreichbarkeit und Informationsflut, genau das verhindern, was angeblich gewollt ist – Kommunikation. – Kommunikation? Wir sind ja voll informiert! Wozu noch reden?

Authentischer Dialog setzt eine Menge voraus! Wenn wir ihn wirklich wollen, nichts weniger als einen Einstellungswandel!

Es beginnt damit, dass man diesem Dialog Raum, d.h. Zeit, geben muss. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass ich mich selbst kenne, dass ich mit meiner eigenen Identität vertraut bin. Jedoch auch, dass ich die des Gegenübers einschätzen kann. Das wiederum setzt voraus, dass sich der andere authentisch verhält, sich traut, im Sinne von „es wagt“. Und damit er es wagen kann, muss er „mir trauen“ können.

Da uns der andere „trauen muss“, damit ein Dialog zustande kommen kann, müssen wir als Führungskraft zwangsläufig in Vorleistung treten. Erst wenn wir selbst zeigen, das wir unverkrampft mit eigenen Gedanken und Gefühlen umgehen können, wird auch der andere mehr kommunizieren. Natürlich gehört auch maßvolle Distanz dazu. Wo diese fehlt wird Kommunikation schnell besitzergreifend und damit wieder blockierend. Auch die Grenzen des anderen zu achten, ist eine Form von Respekt.

Übrigens, entgegen der landläufigen Meinung hängt die Wirksamkeit von Kommunikation nicht von rhetorischen Fähigkeiten ab! Diese sind bestenfalls zweitrangig, da sie Dialoge oft in „oben-unten-Spielchen“ verwandeln, sie instrumentalisieren und dann im Sinne eines echten Dialogs ausgesprochen kontraproduktiv wirken können.

Echter Dialog setzt zunächst voraus sich gewahr zu sein, dass wir Menschen sind

  • mit bestimmten individuellen Einstellungen, Wertvorstellungen und Zielen
  • mit wechselnden Gefühlswelten, wechselnden Stimmungen und
  • Menschen mit Ideen- und Sachkompetenz.

Und es setzt natürlich die Achtung vor der Person und Würde des Partners als ethisches Prinzip voraus. Um ein beiderseitiges Verständnis zu erzielen braucht es dann nur noch folgendes:

  • Klarheit über die eigenen Absichten und Vorstellungen
  • Klarheit über die Absichten und Vorstellungen des Anderen
  • die klare Absicht, jede Kommunikation mit einer Übereinkunft und Handlungsvereinbarung zu beenden, die beide oder alle Partner akzeptieren können und last but not least
  • Klarheit über ein allseitiges Commitment zur getroffenen Vereinbarung.

Folgende Verhaltensweisen wirken dabei unterstützend:

  • alle Beteiligten sind völlig präsent und fokussiert
  • sie reagieren spontan – d.h. reproduzieren nicht blind irgendwelche vorher erprobte Muster oder Formate
  • sind entschlossen die Argumente des anderen zu verstehen, ohne zu be- oder zu verurteilen
  • helfen sich gegenseitig die geäußerten Gedanken auf den Punkt zu bringen
  • behandeln Konflikte offen und konstruktiv
  • und wenn sie feststellen, dass sie keine Übereinstimmung erzielen können, wahren sie trotzdem den gegenseitigen Respekt

Nur Klarheit gepaart mit Commitment schafft letztlich Handlungsenergie! Klarheit heißt sich eindeutig zu äußern. Ja zu sagen, wenn man ja meint – und wirklich nur dann – und nein zu sagen, wenn man nein meint – was oft ein beträchtliches Maß an Mut erfordert. Und wenn der Ausgang noch ungewiss ist, kann auch ein klares „Vielleicht“ eine gute Antwort sein.

Falls ich es nun geschafft habe, dass sie damit beginnen über die Wichtigkeit von Kommunikation als Dialog nachzudenken, ist vielleicht auch folgendes Zitat von Martin Buber noch einen Gedanken Wert:

This fragile life between birth and death can nevertheless be a fulfillment – if it is a dialogue.

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