Selbstverantwortlich handeln am Beispiel Nachhaltigkeit

13. Dezember 2009

iStock_000007155024MediumIm November habe ich mich schon mal mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst und einiges über den Triple-Bottom-Line-Ansatz gesagt. Vielleicht macht es Sinn, das Thema mal an einem realitätsnahen Beispiel zu betrachten. An einem Möbelhersteller lässt sich schön zeigen, wie Nachhaltigkeitsbewusstsein funktioniert, wie es das Denken neu strukturieren kann.

Beim Holzeinkauf, muss sich ein Einkäufer oder Supply Chain Manager heute eine ganze Reihe von Fragen stellen. – Stammt das Holz aus Rodungen? Wurde wieder aufgeforstet nach der Rodung, dem Einschlag? Oder wurde das Land rekultiviert? Wie wurden die Arbeitskräfte bezahlt? Hat man die lokale Bevölkerung gut behandelt? Was ist der verbleibende lokale und globale Bestand für diese Holzart? Nehmen wir mal an unser Supply Chain Manager erwartet ein Embargo für Holz aus Rodungen, oder er befürchtet, dass öffentliche Proteste in der Region den Export lahmlegen. Vielleicht hat er von grünen Aktivisten gelesen, die sich für Eingeborene oder selten Tierarten einsetzen, die den Wald als Habitat nutzen. Nehmen wir weiter an, er hat sich daraufhin Bestände aus nachhaltig bewirtschafteten Waldflächen gesichert oder Holz von Plantagen ländlicher Kooperativen.

Wenn er denn so gehandelt hat, dann muss man ihm jetzt nicht den Orden für Nachhaltiges Wirtschaften umhängen, denn er hat zunächst eigentlich nichts weiter getan, als im Interesse seines Unternehmens verantwortungsvoll seinen Job zu machen. Er hat schlicht auf eine Reihe von Randbedingungen reagiert, um sicherzustellen, dass er auf lange Sicht immer genügend Holz einer bestimmten Qualität zur Verfügung hat. Er hat also Handlungsrisiken ausgeschlossen.

Und er hat Reputationsrisiken ausgeschlossen. Wenn bekannt würde, dass sein Holz aus Kahlschlägen von Urwäldern in Indonesien stammt, die danach im Palmölplantagen umgewandelt werden, könnte das für sein Unternehmen bedeuten, dass ein gewisser Prozentsatz seiner Käufer in Zukunft seine Möbel woanders kauft.

Crèdit Suisse hat diesen Effekt der Reputationsrisiken vor ein paar Jahren zu spüren bekommen. Diese und andere schweizer Banken hatten nach dem 2. Weltkrieg zahlose sogenannte „nachrichtenlose“ Konten von Menschen, die dem Naziterror zum Opfer gefallen waren, stillschweigend weitergeführt. Wohlgemerkt, ohne mögliche Erben über deren Existenz zu informieren. Als das publik wurde, folgte eine jahrelanges Geschachere, welches der Bank retrospektiv betrachtet enormen Schaden zugefügt hat. Dieser Fall hat zwar nichts mit Nachhaltigkeit zu tun, aber sehr wohl mit amoralischem Verhalten und der Reaktion der Öffentlichkeit darauf.

An dem Beispiel des Supply Chain Managers eines Möbelherstellers ist jedoch Folgendes wirklich bemerkenswert: Bei einer verantwortungsbewussten Öffentlichkeit ist es inzwischen völlig unerheblich, ob einzelne Akteure in der Wirtschaft selbst mit einem ausgeprägten Nachhaltigkeitsbewusstsein ausgestattet sind, ob das Topmanagement den Nachhaltigkeitsgedanken aus ideellen Gründen zum Credo erhoben hat oder ob alle weiter stur nach dem Motto verfahren, „the business of business is business“. Sobald genügend Menschen damit beginnen selbstverantwortlich von ihre Wahlfreiheit Gebrauch zu machen, kommen die Dinge in Bewegung.

In der letzten Ausgabe der Zeit, Nr. 50, wird der Kasseler Umweltpsychologe Andreas Ernst interviewt, ich zitiere:

„Der Einzelne ist zumeist nicht sehr motiviert, sich vernünftig zu verhalten, weil er sich sagt, dass er nur einer unter Milliarden ist und also sein Handeln nicht wirksam sein kann … Aber sobald das Individuum merkt, es ist nicht allein, sondern zu mehreren, ist es in der Lage, anders zu handeln und neue Verhaltensweisen zu erproben. Ohne sich der Unterstützung anderer zu vergewissern, und sei sie ideeller Natur, ist das Individuum heute schwach. … Allerdings zeigt sich auch, etwa in der Widerstandsforschung, dass einzelne Menschen mit ihrem Handeln geradezu ansteckend wirken können, also für andere ermutigend und musterbildend. Es macht nur Spaß, aus dominierenden Gruppen auszuscheren, wenn man nicht allein ist, und Einzelne können dafür die Richtung weisen.“

Diese „Einzelnen, die die Richtung weisen“, sind Menschen wie Sie und ich, die beschließen sich eben nicht wie das „Standard Individuum“ zu verhalten, sondern Dinge trotzdem tun, auch gegen den Trend, weil sie von deren Richtigkeit überzeugt sind und nicht bereit sind ihre Werte und Überzeugungen weiter zu korumpieren.

LOHAS – Der grüne Lifestyle from Media Mystika on Vimeo.

Und…

Es gibt auffallende Widersprüche…

…zwischen unserem Wissen, unseren Idealen und unserer Lebensweise.

Wir wissen: die internationale Politik wird hauptsächlich von kapitalistischen Interessen, ideologischer Vorherrschaft und militärischer Gewalt bestimmt; diese Art der Globalisierung erzeugt – je länger, umso mehr – Leid, Hass und Terrorismus.

Das alles wissen wir, auch wenn wir es immer wieder verdrängen – verständlicherweise. Und zugleich glüht noch immer in uns die Vision einer friedlichen, gerechten und armutsfreien Weltgemeinschaft. Im Grunde möchten wir solidarisch leben, denn nur das ist zukunftsfähig.

Stimmt’s ?

Lesen Sie dazu auch

Nachhaltigkeit – eine kleine Einführung; Warum es Sinn macht sich mit der eigenen Identität zu beshäftigen;

Wenn Sie die Ideen, die ich hier vertrete gut finden, dann lassen Sie doch andere daran teilhaben, z.B. indem Sie diesen Artikel an jemanden weiterleiten.

Abonnieren Sie OFFBOX HABITS per E-Mail

Share
E-Mail E-Mail   drucken drucken    

Schreibe einen Kommentar

Previous post:

Next post: